Wiedervorlage | 2. Oktober 2015 | Landesplanungsgesetz – Landesentwicklungsplan | öffentliche Bekanntmachung

Ministerialblatt (MBl. NRW.)
Ausgabe 2015 Nr. 27 vom 30.9.2015 Seite 571 bis 618

 

Öffentliche Bekanntmachung gemäß § 13 Abs. 1 und 3 Landesplanungsgesetz NRW Beteiligung bei der Aufstellung des neuen Landesentwicklungsplans Nordrhein-Westfalen (LEP NRW) Bek. d. Staatskanzlei – III B – 30.63.05.02 –

III.

Öffentliche Bekanntmachung gemäß § 13 Abs. 1 und 3 Landesplanungsgesetz NRW
Beteiligung bei der Aufstellung des neuen Landesentwicklungsplans Nordrhein-Westfalen (LEP NRW)

Bek. d. Staatskanzlei – III B – 30.63.05.02 –

  1. 23.9.2015

 

Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen hat am 28. April, am 23. Juni 2015 und am 22.09.2015 beschlossen, den Entwurf des neuen Landesentwicklungsplans Nordrhein-Westfalen in wesentlichen Teilen zu ändern (§ 17 Landesplanungsgesetz (LPlG), § 8 Raumordnungsgesetz (ROG)) und ein zweites Beteiligungsverfahren zu den geänderten Teilen des Entwurfs des Landesentwicklungsplans durchzuführen.

 

Der Umweltbericht zu den vorgesehen Änderungen zum Entwurf des neuen LEP NRW ist fortgeschrieben worden (§ 12 Abs. 4 LPlG, § 9 ROG).

 

Die Öffentlichkeit und die in ihren Belangen berührten öffentlichen Stellen werden bei der Aufstellung des neuen LEP NRW beteiligt. Während der öffentlichen Auslegung des Entwurfs

 

vom 15. Oktober 2015 bis zum 15. Januar 2016

 

können Bürgerinnen und Bürger und öffentliche Stellen zum Entwurf des neuen LEP NRW, zur Planbegründung und zum Umweltbericht Stellung nehmen (§ 13 LPlG, § 10 ROG). Die von der Landesregierung beschlossenen Änderungen am Entwurf des Landesentwicklungsplans werden in einer zweispaltigen Tabelle wiedergegeben. In der linken Spalte ist der Text des LEP-Entwurfs vom 25.06.2013 enthalten, zu dem bereits eine Beteiligung durchgeführt wurde; in der rechten Spalte ist der geänderte LEP-Entwurf mit Stand vom 22.09.2015 wiedergegeben.

 

Der Entwurf des neuen LEP NRW, die Planbegründung und der fortgeschriebene Umweltbericht liegen Montag bis Freitag während der normalen Dienstzeiten zur Einsichtnahme aus bei

 

  1. a) der Landesplanungsbehörde in der Staatskanzlei des Landes Nordhrein-Westfalen, Dienstgebäude Fürstenwall 25 in 40219 Düsseldorf

 

und

 

  1. b) den Regionalplanungsbehörden:

Bezirksregierung Arnsberg, Seibertzstr. 1 in 59821 Arnsberg;

Bezirksregierung Detmold, Leopoldstr. 15 in 32756 Detmold;

Bezirksregierung Düsseldorf, Cecilienallee 2 in 40474 Düsseldorf;

Bezirksregierung Köln, Zeughausstr. 2-10 in 50667 Köln;

Bezirksregierung Münster, Domplatz 1-3 in 48143 Münster;

Regionalverband Ruhr, Kronprinzenstr. 35 in 45128 Essen.

 

Die Unterlagen sind abrufbar auf der Internetseite der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen (https://land.nrw/de/thema/landesplanung).

 

Stellungnahmen mit Hinweisen und Anregungen zu den geänderten Teilen des Entwurfs des neuen LEP NRW (siehe gekennzeichnete Textstellen) sind bis zum Ende der öffentlichen Auslegung vorzugsweise elektronisch über „Beteiligung-Online“ (https://www.beteiligung-online.nrw.de/bo_lep_2015/start.php),
per E-Mail ( landesplanung@stk.nrw.de ), per Post, oder zur Niederschrift
zu richten an die Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen, Landesplanungsbehörde, Fürstenwall 25 in 40219 Düsseldorf.

Auch bei den oben aufgeführten Regionalplanungsbehörden können Stellungnahmen abgegeben werden.

 

Stellungnahmen können nur berücksichtigt werden, wenn sie den Vor- und Nachnamen sowie die Anschrift des Verfassers in lesbarer Form enthalten. Stellungnahmen sollten zudem bei Änderungs- oder Ergänzungsvorschlägen möglichst konkrete Formulierungen enthalten und die entsprechende Stelle (Seite, Absatz, Zeile) angeben.

 

Eine Benachrichtigung über den Eingang der Stellungnahmen erfolgt nicht. Eventuelle Kosten, die bei der Einsichtnahme in die Unterlagen und/oder bei der Geltendmachung von Anregungen entstehen, werden nicht erstattet.

 

Nach Ablauf der Beteiligungsfrist werden die eingegangenen Stellungnahmen von der Landesregierung ausgewertet und die Anregungen und Hinweise untereinander abgewogen. Danach wird der vorliegende Entwurf des neuen LEP NRW überarbeitet. Im Anschluss leitet die Landesregierung den Planentwurf dem Landtag mit einem Bericht über das Aufstellungsverfahren zu (§ 17 LPlG).

 

Gemäß § 11 Abs. 3 ROG wird dem Entwurf des neuen LEP NRW eine zusammenfassende Erklärung beigefügt, aus der hervorgeht, wie die Umweltbelange und die Ergebnisse der Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligung in dem Aufstellungsverfahren berücksichtigt wurden und aus welchen Gründen der Plan nach Abwägung mit den geprüften in Betracht kommenden anderweitigen Planungsalternativen gewählt wurde, sowie über die im Rahmen der Überwachung der Auswirkungen auf die Umwelt durchzuführenden Maßnahmen.

 

Der neue Landesentwicklungsplan Nordrhein-Westfalen wird als Rechtsverordnung aufgestellt. Er wird mit der Verkündung im Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Nordrhein-Westfalen rechtswirksam.

 

Düsseldorf, den 23.9.2015

Im Auftrag
Dr. Christoph   E p p i n g

– MBl. NRW. 2015 S. 616

 

Daten und Software sind urheberrechtlich und wettbewerbsrechtlich geschützt. Verantwortlich für die Publikation: die Redaktion im Ministerium für Inneres und Kommunales NRW.
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Stadtplanung, Bauwesen und Erdbebenrisiko: Aachen kann einem Erdbeben der Kategorie 7 auf der Richter-Skala anheimfallen

Ein Jahrtausenderdbeben der Stärke 7 auf der Richter-Skala ist in Aachen möglich.

Da ein Erdbeben nicht planbar ist, muß man davon ausgehen, dass es immer auftreten kann. Städtebaulich und stadtplanerisch hat das, was die Aachener Zeitung in ihrer heutigen Ausgabe unter dem Titel:

„Jahrtausendealte Spuren eines Erdbebens – Forsch haben einen spannenden Fund gemacht. Er ist ein weiteres Indiz darüf, dass Beben bis zur Stärke 7 in unserer Region möglich sind.“

Diese Überschrift und die zwei Sätze der Unterübschrift haben aus Sicht der Risikobetrachtung in Bezug auf den Katastrophenschutz eine elementare Bedeutung für die Stadtentwicklung und Stadtplanung in und für Aachen.

Da niemand sicher prognostizieren kann, wann Mutter Erde wie ein zorniger Wackelpudding bebt, muss man zwingend planerisch davon ausgehen, dass ein derartig massives „Nepal-Beben“ Aachen in Schutt und Asche zu legen vermag. Mit Toten, Schwerstverletzten und viel, viel Leid.

An dieser Stelle möchte die Initiative Kaiserplatz e.V. anmerken, dass sie im Rahmen ihrer Eingaben zur Durchsetzung der Umweltzone – was von Erfolg gekrönt wurde – auch die Eingabe bei der Bezirksregierung Köln im Rahmen des Eingabeverfahrens bereits genau auf dieses Risiko in Bezug auf die städtebauliche Struktur und Umsetzung im Bereich Kaiserplatz hingewiesen hat. Konkret, die Dimensionierung der Verkehrs- und damit Rettungswege in diesem Sektor der Stadt Aachen.

Basis für diese amtliche Eingabe – die nun in der AZ verschriftet als allgemein öffentlich angesehen werden darf – waren intensive Gespräche und Diskussionen mit Geologen aus dem informellen Netzwerk der Bürger für Aachen, denen diese Größenordnung als latentes Risiko klar ist und nun durch die Arbeiten des Geologen Christoph GRÜTZNER

http://paleoseismicity.org

indiziert worden sind.

Das heißt im Klartext für die Stadtentwickler, Städtebauplaner und Bauleitverantwortlichen ein Erdbeben der Stärke 7.0 zwingend bei ihren Veranlassungen als reale Gefahr für Aachen annehmen zu müssen und dem entsprechend verantwortungsvoll zu planen. Hoffen zu wollen, dass es zu den eigenen Lebzeiten nicht dazu kommen sollte, wäre städteplanerisch verantwortungslos.

In unserer Eingabe bei der Bez.Reg. Köln im Rahme des Eingabeverfahrens zur Durchsetzung der Umweltzone haben wir unter anderem auch angemerkt, dass bei einer Katastrophe im Umfeld des Kaiserplatzes hinreichend Kapazitäten der Rettungskräfte Platz finden können müssen, um Rettung auf dem Stand der Technik sicherzustellen. Im Umkehrschluß bedeutet das: für den nicht zu erhoffenden Fall eines Unglücks, sind die entsprechenden Dokumente, die auf die Fachfrage eingehen, in den Akten der Behörde.

Die Gretchenfrage an die Stadt Aachen und die zuständigen städtebaulichen/städteplanerischen Behörden ist in Bezug auf das existenziell fatale Risiko eines Bebens der Stärke 7:

„Plant die Stadt Aachen in Bezug auf Verkehrswege, Infrastruktur (auch Gasleitungen, die explodieren können!) in Bezug auf die Minimierung katastrophaler Risiken auf Basis des Standes der Erkenntnisse der Geologie in besonderem Bezug auf das Erdbebenrisiko? Ja, oder nein? Bis zu welcher Erdbebenstärke hat man konkret geplant?“.

Eine Planung, die nicht auf die Risiken angemessen – also das Eintreten als worst case akzeptiert und implementiert – eingeht, ist eine, die ein vermeidbares Risiko für Mensch, Tier und Werte bedeutet.

Hier ist eine grundsätzliche Diskussion angezeigt, um sicherzustellen, dass z.B. dichtgenutzte Stadtgebiete nicht weiter verdichtet werden dürfen, weil sie im Eintretensfalle zu vermeidbaren Schäden führen würden.

Anders als in der Jungsteinzeit, kommen die Steine für die Leute nicht vom Lousberg, sondern von oben. Mit den hinlänglich und nicht bestreitbaren Risiken und lethalen Folgen.

Das ist keine Panikmache, sondern einfach nur die Bitte, stadtplanerisch tatsächlich von dem auszugehen, was tatsächlich im schlimmsten Falle möglich ist. Man stelle sich an einem Samstag des 3. Adventwochenendes um 13h00m ein Erdbeben der Magnitude 7 vor – welche Folgen hätte dies?

 

 

 

Wünsch-Dir-was-Syndrom: Aachener Kulturzentrum – Träger händeringend gesucht

Was baulich im Ostviertel wie eine Militärzentrale zu Zeiten des Kalten Krieges ausschaut – „schön“ graue Fassade – erweist sich für die Stadt Aachen nun aufs Neue als ein Klotz am Bein, denn man scheint sich in Sachen Finanzen mal wieder die falschen Gedanken gemacht zu haben. Aachener Zeitung, Ausg. Aachen Stadt, 12. Dezember 2015

http://www.aachener-zeitung.de/lokales/aachen/kulturdepot-wer-zerschlaegt-knoten-beim-management-1.1245985

Getreu dem Motto:

„Finds´te keinen Betreiber, kütt der Eintreiber!“

Ach, gäbe es doch so etwas wie einen Ansatz von „Mändschmändt“ bei der Stadt Aachen, dann könnte man hoffen…

Kaiserplatz und seine Entwicklung – Kick-off-Veranstaltung des Bundesverbandes Deutscher Architekten – BDA Aachen – hervorragend!

Der BDA Aachen hat eine hervorragende Tagung in Gang gebracht, die sich mit der Entwicklung des Großraums Kaiserplatz befaßt und sie in den Kontext zur Stadtentwicklung Aachen gesetzt hat. Die Mittagspause bietet bereits die Möglichkeit saghen zu dürfen:

SPITZE!

Nach Tisch werden die Workshops beginnen.

Seitens der zuständigen Abteilung der Stadt Aachen wardt niemand gesehen. Vielleicht, weil der Samstag nicht zu der Dienstzeit gerechnet werden kann?

Schade! Aber, erkenntnisreich!

 

 

 

BI Richtericher Dell aktuell

Email-Kontakt: info@bi-dell.de

Bi-Dell informiert:

Sehr geehrte Damen und Herren, hallo zusammen,

A) Lange erwartet, endlich da? Das Baulandkataster
Das wahrscheinlich zum „Baulückenkataster“ zurechtgestutzte „Baulandkataster“ soll wohl am Donnerstag (17.09.2015 / 17:00 Uhr) im Planungsausschuss „kurz“ präsentiert werden. Das Wort „wohl“ steht für die Unsicherheit, ob dieser Punkt auch tatsächlich abgearbeitet wird. Bereits in der ersten Sitzung des Planungsausschusses des Jahres 2015 sollte das Baulandkataster vorgestellt und erläutert werden. Mit dem lapidaren Grund, es bestünde noch verwaltungsinterner Abstimmungsbedarf, wurde dieser Punkt in der Januar-Sitzung wieder von der Tagesordnung entfernt.

Mehrere Nachfragen von der BI-Dell nach dem Baulandkataster wurden in diesem Jahr mit dem gleichen Argument „erschlagen“.

Nun taucht bei dem vom neuen Entwurf des Landesentwicklungsplans (LEP) geforderte Baulandkataster in der Ankündigung der Stadtverwaltung Aachen die einschränkende Erläuterung „Baulückenkataster“ auf.

Man kann hier nur Vermutungen anstellen. Wir und sicherlich auch das Land NRW sowie die Bezirksregierung Köln werden ganz genau hinschauen und die Qualität dieses „Baulückenkatasters“ den Forderungen des neuen Entwurfs des LEP gegenüberstellen. Sollten diese Forderungen nicht erfüllt worden sein, dann wäre dies ein Planungsfehler und damit ein K.O.-Kriterium für alle laufenden Verfahren zur Änderungen des Flächennutzungsplans 1980 sowie den „neuen“ Flächennutzungsplan 2030 Aachen.

Die BI-Dell und auch unsere Mitinitiativler aus anderen Bürgerinitiativen werden zudem die Flächenangaben dieses „Baulandkatasters“ ggf. auch vor Ort überprüfen, sowie nicht erfasste Flächen erfassen und dokumentieren sowie entsprechend zielgenau nachfragen.

Zur Ausweisung eines Baulandkatasters (im neuen LEP-Entwurf: Baulandpotential / Siedlungsflächenmonitoring) gehören laut Forderungen des neuen Entwurfs des LEP beispielsweise auch die 30 ha Brachland (ehemals DB-Anlagen) im Bereich des Campus West, die seit mehreren Jahren aus spekulativen Gründen vom BLB (Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW) nicht bebaut werden sollen, wie man vor kurzem in den Aachener Zeitungen lesen konnte. Wir werden diese Fläche im Bauland/lückenkataster natürlich suchen.

Zudem müssen alle bebaubaren Flächen ausgewiesen werden, nicht nur die, die sich in städtischem Besitz befinden.

Einschränkungen können später definiert aber nicht schon bei der katastermäßigen Erfassung des verfügbaren Baulandes einfach weggelassen werden. Diese Einschränkungen (Klima etc.) müssten später dann im Grundbuch als Baulasten o.ä. eingetragen werden, damit diese Bereiche auch wirklich geschützt würden; auch vor willkürlichen Revitalisierungen bzw. Bebauungen durch die Stadt oder ihr nahstehende Unternehmen wie die GeWoGe; wie z.B. die bereits als Ausgleichsflächen definierten Flächen an der Vaalser Straße.

Wir sollten am Donnerstag also alle genauestens hinhören und entsprechend reagieren.

B) Bebauungsbeschleunigung Richtericher Dell
Die Beschleunigung der Bebauung der Richtericher Dell wird danach wohl wieder still, schnell, diskret und leise ohne jeglich Diskussion durchgewunken. Diese Vorgehensweise ist von der Stadt wegen des erheblichen Widerstandes der BürgerInnen aus Richterich bei der „Bürgeranhörung“ angestrebt (, eigentlich einer Frühzeitige Bürgerbeteiligung, die nach der Meinung der Verwaltung eigentlich nicht notwendig gewesen wäre), damit die BürgerInnen nicht mehr richtig beteiligt werden sollen. Der Beschluss sieht jedenfalls die Aufstellung der Entwurfsplanung vor und keine echte frühzeitige Beteiligung. Das bedeutet, dass die Null Variante (=keine weitere Planung) bereits trotz erheblicher Bedenken der Richtericher BürgerInnen in der Veranstaltung am 08.09.2015 weggewogen worden ist.

Jedenfalls hat uns InitiativlerInnen der Bi-Dell die Diskussion, die fast ausschließlich von den anwesenden BürgerInnen und nur zum geringen Teil von den Mitgliedern der Bi-Dell geführt worden ist, erheblich den Rücken gestärkt, dass wir mit unserer Arbeit bei weitem nicht alleine stehen.

„Goliath“ (Stadt Aachen) brüllt zwar weiter kräftig und fast ohnmächtig! Aber „David“ (BürgerInnen, Bi-Dell) ist weiter auf der Hut; den Ausgang der Geschichte kennen ja wohl alle.

In der Hoffnung auf einen großen BürgerInnenbahnhof am Donnerstag 17.09.2015 ab 17:00 Uhr in der Stadtverwaltung am Bahnhof verbleiben wir mit freundlichen und besten Grüßen aus Richterich

Bi-Dell

(Ph-L)

Sprecher:
Dr. Christian Locher
Hubert Marx
Peter Philippen-Lindt

Rangeleien im Bau-Rat

Die Aachener Zeitung, Lokalausgabe Stadt Aachen vom heutigen Tage – Mittwoch, 10.06.2015 – zu lesen ist in Sachen „gestaltende Kräfte“ sehr sinnvoll.

Es scheint wohl der nächste politische Ruderwettbewerb ausgeschrieben zu sein, wenn man liest, wie es um die Liegenschaft des nun leergeräumten Spielcasinos ausschaut…

 

Zonenrandgebiet Aachen – Wenn Kevin und Chantal die Oma an Weihnachten nicht mehr sehen können

Oma Klara ist 73 Jahre alt, fit und wohnt in Friesoythe. Sie ist Witwe. Ihr Sohn, Hinnerk, hat nach Aachen eingeheiratet und arbeitet als Wissenschaftler an der RWTH Aachen an seiner Promotion, die voraussichtlich 2016 abgeschlossen worden sein wird. Die Zwillinge, die diesen Sommer in Ostfriesland waren, sind 3 Jahre alt und aufgeweckt. Die Familie der Schwiegertochter wohnt am Inn und hat sich angemeldet. Ihre Eltern sind Mitte 60 und nutzen die Gelegenheit, auf dem Weg zur Familie einen Zwischenstopp bei Freunden in Aschaffenburg zu machen und dort zu übernachten. Sie kommen mit dem Auto, weil die Bahnverbindungen zum einen viel zu teuer sind und zum anderen auch viel zu lange dauern.

Oma Klara hat sich nun, weil sie ökologisch-politische Aktivistin der 70er Jahre ist, die Verbindungen von Friesoythe nach Aachen und zurück ausdrucken lassen. Sie hat von ihrem Sohn gehört, dass im Frankenberger Viertel das Anwohnerparken eingeführt wird, was sie vom Grundsatz her gut findet. Aber zugleich kam der Hinweis, dass es bereits jetzt für sie schwierig sei, ihren Wagen vom 22. bis zum 28. Dezember „in der Ecke“ parken zu können.

Sie entschließt sich, die Verbindungen der Bahn von Friesoythe nach Aachen im Internet zusammenzustellen zu lassen und ist entsetzt. In der Summe mit allen Umsteigern und Puffern für den Fall, dass ein Anschluß zu wenig Zeitkorridor hat, ist ihr diese Fahrt zu anstrengend. Worüber Oma Klara besonders den Kopf schüttelt, das ist, dass sie rund 1 3/4 Stunde von Köln oder Düsseldorf nach Aachen und zurück einplanen muss. Für ca. 80 km Bahnstrecke. Und dann zu dem Preis!

Sie ruft ihren Sohn an und sagt ihm, wie lange sie unterwegs sei und dass dies für Ostheoporose und den Bandscheibenproblemen zu schwierig sei. Er, wie auch seine Frau, haben auch keine Möglichkeit, für Abhilfe zu sorgen.

Und so dürfen Kevin und Chantal in Aachen ohne Oma Klara aus Friesoythe alleine mit ihren Bayerischen Großeltern vor dem Tannebaum hocken, weil die Personenlogistik Aachens einen Fehler macht: man egozentriert und möglicherweise von Paritikulärinteressen beeinflußt, denkt, man könne in einer verkehrspolitischen Wolkenkuckucksstadt alles in einer idealtypischen, politisch korrekten Weise durch den ÖPNV bewerkstelligen.

Daran aber, dass Besucher auch mit einem Auto anreisen wollen, parken müssen, um Familie zu besuchen oder Geld in den Geschäften lassen, da denkt niemand dran. Warum nicht wie in anderen Städten, an den Einfallstraßen und praktischen Stellen ordentliche Parkhäuser errichten – durchaus auch unterirdisch, was sehr praktisch ist – die direkt mit einem Schnellbus mit dem Zentrum verbunden sind und alle drei bis fünf Minuten während Stoßzeiten fahren.

Die Initiative Kaiserplatz hatte bereits vor mehreren Jahren den Vorschlag gemacht, an der Autobahnauffahrt Brand auf dem Eckgelände der Trierer Straße/Debyiestrasse ein „Megaparkhaus“ zu errichten, vor dessen Tür ein Direktbus in kurzer Taktung pendelt. Und, dass es sich um einen Pendelbus handelt, der innen so gestaltet ist, dass man auch Einkäufe, Kinderwagen, Rollstühle bequem und sicher positionieren kann.

Dann würde bereits ein nicht zu vernachlässigender Teil des Verkehrs bereits am Kesselrand Aachens abgefangen werden können und wenn diese Linie spezielle, komfortable Busse nutzte, würde dies zweifelsohne die Akzeptanz für den ÖPNV fördern. Auch bedeutete dies, die Parksituation im Kernbereich so zu entzerren, dass Familienbesuche in Aachen parkplatzdiskriminierungsfreier möglich wären.

Die heile Welt gibt es leider nicht. Und, man kann politischerseits nicht die Situation der Bevölkerung ignorieren, bei Seite schieben, weil man seine Ideen koste es, was es wolle durchsetzen will. Das heißt, Stadtplanung und Verkehrsplanung so vorzunehmen, dass sie sich an den Realitäten und nicht an Träumereien orientiert.

Wenn ein Parksystem für die Stadt Aachen sichergestellt ist, dass von seiner Kapazität, Zu- und Abfahrtsgestaltung her, wie auch das Einfügen in die jeweiligen Bereiche mit Augenmaß den Verkehr fließend an sein Ziel bringt, dann führt das zu weit weniger Emissionen.

Wer weiß heute schon, wie die Verkehrsinfrastrukturen in zehn, 20 oder 30 Jahren aussehen wird? Welche Verkehrssysteme wie angetrieben werden? Ob die derzeit favorisierte Batterie möglicherweise durch Wasserstoff/Brennstoffzellen verdrängt wird, ob es neue Fahrzeugsysteme gibt, die durch Interkonnektivität, multimodale Benutzung und parteipolitisch unabhängige Car-Sharing-Modelle – ein Gruss an den Verkehrspolitischen Sprecher der Grünen im Stadtrat! – zu anderen Optionen und Verhaltensformen führt: wer weiß das schon?

Güter, die in der Stadt installiert oder gehandelt werden, müssen hinein- und hinausgebracht werden. Wichtig ist, dass für den Handel die Kassen klingeln, die Wirtschaft Luft – gleich Fläche – zum atmen bekommt, Betriebe ihrer Kundschaft so zu diensten sein können, dass diese nicht genervt „aufschlägt“, weil man keinen Parkplatz findet oder, wie am Samstag, die Stadt bereits vor elf Uhr einfach nur „dicht“ war.

Heute aber Pflöcke so in die Erde zu rammen, dass sie für zwei oder drei Generationen alles zementiert haben, das muss nicht unbedingt sein.

Die Kunst, eine Stadt zukunftsfähig zu gestalten und vor allem weiterzuentwickeln, liegt darin, ergebnisoffen, mit umfangreicher, nachgewiesener Fachkompetenz und Unabhängigkeit an die Stadtplanung zu gehen. Alte Strukturen aufzugreifen, sie zu pflegen. Bedürfnisse der Bewohner und Unternehmen zu berücksichtigen. Damit die einen ihre Stadt auch weiterhin als lebenswert und die anderen als wirtschaftlich nachhaltig empfinden.

Weiter zu denken und sich den Ruck zu geben, an ein Aufgehen der Stadt Aachen in der Städteregion zu denken. Das heißt auch, Verkehrs- und Stadtentwicklung synchron mit den Gemeinden und Städten im Umland zu „denken“.

Will Aachen zukünftig prosperieren, dann muss der Horizont deutlich über den Talkessel hinausgehen…

Nötigenfalls heißt das im Sinne der Stadtentwicklung auch, auf eine weitere städtebauliche Verdichtung zu verzichten.

Durch das Aufgehen der Stadt Aachen in die Städteregion, würde so eine weitreichendere Entwicklung möglich sein, weil es dann nur noch eine übergeordnete Verwaltung geben wird.

Und das spart der nächsten Generation, die in Aachen ihre Existenz aufbauen und die hier leben will, einiges an Personalkosten.

Bedenkt man, dass der Nordrhein-Westfälische Landeshaushalt über 40% für Personal einplanen muss, dann IST eine großangelegte Strukturreform dringenst zu diskutieren!

Denn dann können neue Baugebiete samt Verkehrsplanung weiter gedacht aufgegleist werden. Und, dann braucht sich die Politik Aachens nicht über die vielen Bürgerinitiativen zu ärgern, die ihren Bürgerwillen einfach nur wahrnehmen.

Aachen erwache!