Stadt Würselen setzt Bewohner von Obdachlosenunterkunft vor die Tür, damit Flüchtlinge einziehen

Die Aachener Zeitung, Ausgabe Aachen Land, berichtet in ihrer heutigen Ausgabe von Freitag, 23. Oktober 2015 darüber, dass auf der Neustraße in Würselen bei Aachen den Bewohnern per Zettel mitgeteilt worden ist, dass sie wegziehen müssen, damit die Stadt Würselen dort Flüchtlinge einquartieren könne. Die Wohnungen müßten, so der Artikel, noch menschenwürdig hergerichtet werden.

Damit zeichnet sich genau ab, was Tübingens Oberbürgermeister PALMER von den Grünen gestern Mittag, Donnerstag, 22.10.2015, Zeitfenster 13h00m bis 14h00m im Fernsehen ARD/ZDF klar ausdrückte, dass man die Menschen über die Konkurrenz am Arbeits- und Wohungsmarkt in den jeweiligen unteren Segmenten nicht im Unklaren lassen dürfe.

Die Frage, die die Bürgermeister und Oberbürgermeister beantworten müssen ist die, wie sie die soziale Kohäsion der Gesellschaft im Sinne der Menschenwürde und des Menschenrechts aufrechterhalten können, wenn Menschen – wie zum Beispiel auch in Ludwigshafen ebenfalls in einer Obdachlosensiedlung, die abgerissen wird, um dort Wohneinheiten für Flüchtlinge zu errichten, zu sehen gewesen in Report Mainz im (ca.) Ende September –  in ihrem Grundrecht auf eine Wohnung so massiv vor eine elementare Krise gestellt werden, weil ihnen gekündigt wird.

Glauben die Bürgermeister und Oberbürgermeister, Regierungspräsidien bis zum Bund tatsächlich, dass dieses Vorgehen eines sich schnell dynamisierenden Wettbwerbs um das eigene Dach über dem Kopf betreffende Amtshandeln „einfach so geschluckt wird?“. Die so vor die Tür gesetzten werden sich zumindest ihr persönliches Bild vom Staat und ihrer Gemeinde machen und dann auch darüber nachdenken, diskutieren.

Welche Tragweite die derzeitige Flüchtlingssituation hat, wird in ihrer finanziell-strukturellen Wucht für Aachen deutlich. Auch hier hält man den Ball kommunikativ flach.

Rechnet man über zwei Jahre hinweg mit 2.500 Flüchtlingen (1% der Bevölkerung), die in Aachen Quartiere zu bekommen haben, so sind das konservativ in Bezug auf Wohnimmobilien für 5.000 Menschen (2 Jahre) kalkulatorisch € 200.000.000,– die in Aachen alleine für die Errichtung finanziell zu mobilisieren sind.

Da Häuser nicht frei schweben können und es auch nicht zielführend ist, Wohnghettos wie die Platten von Hellersdorf zu schaffen, steht die Stadt Aachen vor der absolut nicht beneidenswerten Aufgabe, städtebaulich, sozialorientiert und baugrundmäßig Grund und Boden zu finden, der genügend Fläche bietet, um den Häusern Boden zu geben.

Kalkuliert man Häuser mit 10 Wohnungen pro Gebäude und geht kalkulatorisch von 4 Personen pro Familie aus, so sind das kalkulatorisch 1.250 Wohneinheiten, die über zwei Jahre gerechnet im Stadtgebiet zu errichten sind. Somit rechnerisch 125 Stück Zehnfamilienhäuser, die in Windeseile zu errichten sein werden. Auch so belegt werden, dass die Ghettoisierung nicht Folge ist. Somit eine Dynamik im Raume steht, die die Zuständigen der Gemeinden vor Herausforderungen setzt, die an Leistungsgrenzen gehen.

Auch muss man bedenken, dass es weder hinreichend viele Unternehmen noch Arbeitskräfte gibt, die im Stande sind, „Gewehr bei Fuss“ die Aufträge anzunehmen und umzusetzen. Neben den immensen Geldbeträgen, die letztendlich tatsächlich für Aachen in den Hunderte von Millionen-Euro-Bereich vorgehen wird, geht man von den Zahlen aus. Das wird die Kalkulationsschemata der Kämmerei der Stadt Aachen, die sowieso schon immer an der Küste namens Nothaushalt schippert, im Grunde zerreißen und wie verkohltes Papier in alle Winde zerstreuen.

Kalkuliert man die reine Grundfläche eines entsprechenden Hauses in einer ersten Näherung mit 200 m² reinem Baugrund, so bedeutet das für 125 Häuser weit über 2 Hektare an reiner Bebauungsfläche im Stadtgebiet auftreiben zu müssen. Hinzu kommt Infrastruktur für Straßen, Versorgung etc.

Mutmaßlich sollte sich die Stadt damit abfinden, dass sie international agierende Investoren mit Baukapazitäten finden muß, um 1.000 und mehr Wohnungen in den kommenden zwei Jahren errichten zu können.

Bei 10%-netto-Kapitalverzinsung seitens der mutmaßlich erforderlichen Investorenschaft, bedeutet das für die Kämmerei in Größenordnungen zu denken, die in den kommenden Dekaden für Ausgaben im zumindest oberen zweistelligen, wenn nicht gar unteren dreistelligen Millionenbereich liegen.

1.000 Wohnungen à 700,– EUR Kaltmiete = EUR 700.000,– Kaltmiete pro Monat = EUR 8,4 mio. p.a. Kaltmiete. Dies über zehn Jahre linear zinslos berechnet, wären € 84.000.000,-.

Bedenkt man die bereits präkere Arbeitslosenquote in Aachen, die aktuell auf „erfreuliche“ 9,1% gesunken ist, weil man 1.400 Menschen in Lohn und Brot bekam und so von den 9,4% wegkam, wird deutlich, dass die Stadt Aachen noch ein weit virulenteres Problem hat: Aachen wirtschaftspolitisch so fit zu machen, dass die Stadt attraktiver für Unternehmen wird, die Arbeitsplätze schaffen werden.

Da aber die mechanisierten Arbeitsplätze qualitativ immer mehr nach Osteuropa oder Asien ausgelagert werden, muss sich die Stadt Aachen auch die Frage stellen, welches Standortkonzept sie im Kopf hat, das eben nicht auf Forschung/Wissenschaft/Kopfarbeiter ausgerichtet ist, sondern auch den gewerblich-handwerklichen Bereich.

Für die Standortförderer, die Kämmerei, die Stadtenwickler und die Sozialbehörden zieht gerade mal der erste böige Wind auf, auf den man sich wetterfest einstellen muß.

Um Unternehmen für Aachen zu gewinnen, kann man nicht das falsche Signal aussenden, an der Gewerbesteuer- und Grundsteuerspirale zu drehen. Die in den vergangenen fünf Monaten verlorengegangenen 500 Arbeitsplätze gilt es zu kompensieren und, die gesamte politische Ausrichtung Aachens auf eine Vielzahl von massiven Unwägbarkeiten hin einzuregeln…

Der Oberbürgermeister Marcel Philipp ist aufgefordert, den Herausforderungen entsprechende Signale zu setzen, damit die Seekarten auf den Tisch kommen, der Seewetterbericht kontinuierlich aktualisiert wird und man sich nicht selbst in vermeintlicher Sicherheit wiegend im Schlick festfährt.

Die Politik und die Verwaltung der Stadt Aachen sind aufgefordert, organisatorisch unverzüglich statuierte Plattformen einzurichten, mit denen das Fach- und Sachwissen der Bürgerschaft und der Unternehmer in die Entscheidungsprozesse einbezogen werden.

Möglicherweise glauben zu wollen, man käme mit den bestehenden Kräften zu einer Lösung, das könnte sich als kritische politische Untiefe erweisen.

Die Kommunikation der Stadt muss sich entsprechend öffnen (können).

Und, die führenden Köpfe der Karte müssen sich bewußt sein, dass das, was zu leisten sein wird, überhaupt nicht einmal nur ansatzweise kartografiert ist.

Aachen 2017 ist somit in jedweder Hinsicht die terra incognita, die zu gestalten ist!

Das braucht solide Führung!

 

 

 

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Wiedervorlage, 2. November 2013 | „Wollt ihr in Aachen kein Geld verdienen?“ Der Verkehrsfrust über Aachen

Kurzmitteilung

Anstatt sich in einem gemütlichen Restaurant zu treffen, hieß es zunächst irritierend „Fastfoodrestaurant“. Nach wenigen Minuten war sofort klar, warum dies nun der Ort der Wahl war. „Weißt Du, ehrlich gesagt mir hängt Euer Verkehrschaos in Aachen einfach nur noch aus dem Hals heraus! Ich habe wirklich keinen Bock mehr darauf, mich nochmal in die Innenstadt zu quälen!“, so die Worte eines befreundeten Niederländischen Unternehmers aus der Grenzregion, der das letzte Ehemaligentreffen im Sommer in einem Restaurant sausenlassen musste, weil er nach über einer Stunde Baustellengewirr – das natürlich nicht im Navi vermerkt sein kann – und erfolgloser Parkplatzsuche enerviert abbrach. Sein Fehler war: er kam mit dem Auto und nicht dem ÖPNV oder Fahrrad…

Pointiert meinte er: „Heute, am 1. November ist ja, wie Du vielleicht weißt der ´Tag der Deutschen´. Bei uns sind die Geschäfte brechend voll gewesen und die Leute lassen ihr Geld bei uns! Und das freut uns…“.

Er bedauerte, dass Aachen verkehrstechnisch so abschreckend sei.