Leserreaktion auf die Vermüllung der Stadt durch Gratiszeitungen

Der Leser „HuSch“ hat uns heute diesen Text zur Veröffentlichung übersandt:

„Die kostenlose Zeitung Super Sonntag vom 4.9.2016 wog 0,75 kg und hatte laut Impressum eine Auflage von 493.809 Exemplaren. Das ergibt 370,4 t an Papier. Wozu braucht man im Internetzeitalter in der Region Aachen noch so viel papiergebundene Werbung an einem einzigen Wochenende? Das sind überholte und widersinnige Geschäftsstrategien.
Das war zwar eine Ausnahme wegen des verkaufsoffenen Sonntags, verdeutlicht aber erst recht den ganzen Werbeirrsinn. Glauben die Menschen wirklich, dass diese Werbekosten nicht in die Produktpreise einkalkuliert sind und sie ständig Superqualität zu Schnäppchen preisen kaufen können? Das Argument, dass höhere Umsätze die Werbekosten wett machen, sticht schon lange nicht mehr. Wo soll denn in Aachen diese Kaufkraft herkommen? Selbst wenn die Menschen in Aachen durch die intensive Werbung für mehr Umsätze sorgen, werden viele dadurch ja oft nur ärmer, weil sie sich die zusätzlichen Einkäufe oft gar nicht leisten können. Wir sind leider eine arme Stadt. Die Hoffung, dass Tausende regelmäßig von Eschweiler, Düren, Mönchengladbach, Maastricht und Lüttich zum Einkaufen nach Aachen kommen, ist angesichts der desolaten Parkplatzsituation, der schlechten Luft in der Aachener City und der Restriktionen durch die Umweltzone geradezu lächerlich.
Außerdem ist es heute in der Werbung so wie früher beim atomaren Wettrüsten, das sich zu einem reinem Nullsummenspiel auf ständig steigendem Niveau entwickelt hatte und nicht für mehr Sicherheit gesorgt hat, sondern nur für ständig steigende Kosten bei höheren Risiken.
Das Gebot der Stunde sollte deshalb in der Werbung „Abrüstung“ heißen. Das lässt sich staatlich ganz einfach erzwingen, indem die steuerliche Absetzbarkeit von Werbungskosten je nach Branche auf einen bestimmten Prozent- oder Promillesatz vom Umsatz reduziert wird. Glaubt wirklich jemand, die Aktionäre der großen Handelskonzerne würden zusätzliche Werbung aus versteuertem Gewinn bezahlen? Bei einer Hauptversammlung, wo das vorgeschlagen wird, kann man Eintritt verlangen, so lustig wird es da.
Es gibt seit langem Beweise dafür, dass Firmen mit weniger Werbung sogar mehr Geld verdienen können. Als vor vielen Jahren die Fernsehwerbung für Zigaretten verboten wurde, stiegen die Gewinne der betroffenen Konzerne, weil die riesigen Ausgaben für sinnlose Werbung entfielen. Wichtig ist dabei, dass für alle im Wettbewerb stehenden Unternehmen die gleichen Spielregeln gelten. Dann kann man auch mit weniger Werbung mehr Geld verdienen.

 

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