Wiedervorlage | 4. November 2015 | Unruhe der EU: man hält nach Wahl in der Türkei Bericht zurück

Der Ausgang der Wahlen in der Türkei zeigt bereits jetzt seine politisch-taktischen Auswirkungen auf Brüssel: es wird ein Bericht in den Schubladen zu halten, um die Verhandlungsposition mit der neuen Regierung nicht zu unterminieren.

Allerdings muss man sich in Brüssel die Frage gefallen lassen, ob man denn dort weiß, was „handeln“ und „verhandeln“ eigentlich bedeuten?

Entgegen dem irrationalen Empfinden Brüssels, handelt die Türkei von der Verhandlungsmethodik her professionell, klar strukturiert und somit zielgerichtet. Dies unabhängig davon, wie man die Position der Türkei und der neuen, alten Regierung bewertet. Denn, das Verhandlungsziel dürfte in Ankara bereits festgelegt sein. Damit auch Strategie, Taktik sowie Verhandlungsinstrumente.

In Brüssel und auch in Deutschland vergißt man – wenn man das überhaupt entsprechend reflektiert und verinnerlicht hat – daß die Türkei eine Nation ist, die bereits in den vorangegangenen staatlichen Epochen immer eine exzellente Händlernation gewesen ist.

Zu glauben, man säße in Brüssel am längeren Hebel, weil man zum Beispiel einen wichtigen Bericht in der Schublade hält, indiziert bereits, dass man meint, taktisch clever zu sein.

Ein guter Händler ist immer zwei Verhandlungszüge weiter. Sprich, man sollte davon ausgehen, dass man in Ankara sehr wohl davon weiß und auch sehr klar im Bilde ist, was in der Analyse im Bericht stehen dürfte. Aber, welchen Nutzen bringt das der EU in Sachen Verhandlungsführung, wenn Ankara seine Position und die der Gegenpartei kennt?

Ficht einen Profiverhandler solch ein Bericht an und, bereitet er möglicherweise sogar Sorge? NÖ! Denn Profiverhandler kalkulieren derartige Steine im Weg einfach mit ein und gehen mit entsprechenden Konzepten/Festlegungen in die Verhandlung.

Solch ein Verhalten Brüssels, wohlfeil vorauszugehorchen, ist geradezu ein Verhandlungssignal, das man damit vergleichen kann, dass man sogar eine Duftspur gelegt hat, der man verhandlungstechnisch mit Cleverness nur noch mit Geduld folgen braucht, um seine Ziele durchzusetzen.

Brüssel scheint auch hier im Kollektiv etwas naiv zu denken, denn das Händlerhandeln der Türkei ist eines, das man mit allem Respekt als hervorragend weitsichtig umschreiben können darf!

Guten Morgen, Brüssel!

 

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