NZZ.ch: „Masseneinwanderung“ |“Abschied von Deutschland? … droht dieses Erfolgsmodell nun in Frage zu stellen.

Kommentar von Cora STEPHAN beginnend mit roter Überschrift unten!

ungeachtet jedweder persönlichen Auffassung in Bezug auf die Flüchtlingspolitik Berlins, ist die vollständige Lektüre dieses Gastkommentars im Grunde „zwingend“ für die Debatte und Diskussion der Zukunft des Berliner Umgangs mit der Flüchtlingsthematik. Dies auch, weil sie eine mittlerweile paneuropäische Tektonik in Gang gesetzt hat, die mit den bisherigen politischen Spielregeln und Instrumenten nicht mehr geradezuzurren ist.

Die Zerrissenheit, die auseinanderstrebenden Kräfte politischer Akteure und Standpunkte der verschiedenen Wahlvölker quer durch Europa – Eu sowie nicht-EU – hat eine Dimension und Massivität bereits seit Längerem erreicht, die Politikern kaum noch eine Handlungsfähigkeit beibehalten läßt, weil sich die Diskussion verselbständigt hat.

Das anstehende Frühjahr, die sehr stark voneinenader abweichenden Auffassungen quer durch die EU und weiter, quer durch Europa, haben das Institut der EU in die Enge getrieben, in die europapolitische von mehreren Fronten definierte Defensive, weil ihr polito-administrativer Apparat teils von der Welt – sehr gut persönlich EU-beamtenrechtlich alimentiert, da auf Lebenszeit – sehr, sehr weit entfernt ist.

Der „organische Fehler“ dieses zentraladministrativen Apparats, der einen höchst heterogenen Kontinent vertritt, ist, in der Vergangenheit auf „Vorgaben und Kontrolle“, statt auf „supranational-föderale Freiheit“ gesetzt zu haben.  Die Kräfte, die sich durch Leitlinien im Lauf der Zeit selbst gefunden hätten, sind durch harte Leitplanken, die teilweise kulturell-staatlich eingengen, eingezwängt worden und sie lassen nun die Verspannungskräfte zu Tage treten.

Wer hört eigentlich von den echten Europäern den „Schönwetter-Apparatisten“ noch zu? Vom Alltag selbstisoliert, wird abstrahiert, wie man sich die „Formation“ i.S. des Französischen Begriffs „des europäischen StaatsBürgerIn“ vorstellt. Die Menschen Europas sind einander näher, als die Gruppe der „Administratores“ dies durch ihr Verwalten und zentralisieren realisieren können. Die freien Grenzen, der Austausch junger Menschen und dergleichen bewirkt mehr als die unzähligen, viel Geld erfordernden Sonntagsreden, die  jeder schon als „Sermon“ kennt. Auch deswegen, weil bedauerlicherweise keinerlei paneuropäsche, konstruktive Linie zur Lösung der Tektonik auch nur im Ansatz erkennbar ist…

Die Zerrissenheit Europas binnen weniger Monate ist der Belegt dafür, dass das Handeln einzelner Personen auf Staatsebene auch heute noch belegt, dass andere eben anders denken.

„Propaneuropäisch“ gedacht, bedeutet das, Spielregeln gerade für Krisenzeiten wie die der Flüchtlingssituation in der Schublade zu haben, um beim eintreten einer Krise – die oft in Stunden kommt – Krisenreaktionsmechanismen zu aktivieren. Aber, das gibt es offensichtlich nicht. Und so ist dann die politische Konsequenz für Europa und die Menschen, dass man dann liest: „Propan Europäisch“: C3 H8… Bedauerlich …

Und, die „Heilung“ der Zerrissenheit auf europäischer Ebene, dürfte mindestens eine halbe, wenn nicht gar gesamte Menschengeneration erfordern, weil viel Mißtrauen, verbunden mit Fehlverständnissen und auch Verletzungen zu heilen ist.

Gastkommentar von Cora STEPHAN, Buchautorin, Kolumnistin und Essayistin in der Ausgabe vom 3. Mai 2016.

http://www.nzz.ch/meinung/kommentare/die-folgen-der-masseneinwanderung-abschied-von-deutschland-aber-von-welchem-ld.16818

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