„In Deutschland hat sich eine elitäre Schicht eingerichtet, die …. vor allem erzieherische Ratschläge parat hat“

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CICERO, Ausgabe 2 / 2016 | ein Magazin, das man als Organ des intellektuellen Diskurs´ bezeichnen können darf:

Frank A. Meyer über Deutschland – bissig, intelligent und lesenswert

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In Deutschland hat sich eine elitäre Schicht eingerichtet, die für die Menschen im Lande vor allem erzieherische Ratschläge parat hat

Also sprach Miriam Meckel: „Die Flüchtlingskrise wird uns viele Milliarden kosten. Das können wir ohne Steuererhöhung schaffen – wenn wir auf neue soziale Wohltaten ver­zichten.“ Der Satz hat’s in sich, vor allem die zweite Hälfte: „… wenn wir auf neue soziale Wohltaten verzichten.“

Anmerkung:

SPD, CDU und Grüne jammern wegen ihrer politischen Schwindsucht wie die Heulsusen, die auf dem Schulhof die „Klasseinkeile“ bekommen.

Dies ist in einem wesentlichen, gar entscheidenden Maß, weniger die Quittung der Frage und Situation der Flüchtlingskatatstrophe, sondern vielmehr die klar gelebte Mentalität einer politischen Klasse, die durch ihre Mandate und die damit gekoppelten politischen Ämter sowie weitere gut dotierte Tätigkeiten, im Speckgürtel Deutschlands und Brüssels lebt.

Par ordre du moufti, werden die Edikte in Gesetzesform, auf EU-Ebene den euphemistisch bezeichneten „Richtlinien“ entsprechend gegossen. Auch ohne Detailwissen oder Fachwissen zu haben. Auch ohne akademische oder hohe berufliche Qualifikation, spüren die Menschen, dass sie nicht in einer realdemokratischen Gemeinde beheimatet sind, sondern politisch betrachtet, im POTJEMKINSCHEN Bezirk, den es zu managen gilt.

Politisches Management heißt heute – schade dass WEHNER, BRANDT und STRAUSS, aber auch LÖWENTHAL und SUDEL-EDE tot sind – durch lauter Koalitionismushedonismus zur Beliebigkeit verkommen zu sein. Dies mit der unbestreitbaren Konsequenz der Ansammlung von Unmengen von Faustpfanden, die man, wenn der andere gerade mal nicht parriert, zeigt. Es in die Hand zu nehmen, es einzusetzen, um seine Position, die angeblich in einem Wertekanon stehen muss, ist und bleibt die Fehlanzeige. Die politischen Scheingefechte und das politische

„Rühr mich nicht an, dann rühr ich Dich nicht an!“,

hat geradezu zu einer Lethalisierung des homo politicus geführt. Wer qua Mandat seine Pfründe erdient hat – teils mit argen seelischen Qualen, den Werte-Rubikon überschreiten zu müssen – kann gar nicht anders, als sich an das Schutzgitter der eigenen Partei und Parteidisziplin klammern zu müssen.

Das geradezu promiskuitive „69er“-Gebaren der politischen Klasse, trotz vermeintlicher Positionierung im demokratischen Spektrum hat dazu geführt, dass es zur Beliebigheit und zur politischen Erpressbarkeit geführt hat.

Schaut man sich die Strömungen in der bundesdeutschen Politik an, so kann man feststellen, dass an den Hebeln der Macht immer stärker das mitteldeutsche, protestantisch-klerikale und von der Sozialisation im Sozialismus her geprägte Denken und Handeln Land genommen hat.

In Bezug auf die Dialektik erkennbar:

1.) Sich im abzulehnenden Sozialismus durchgesetzt zu haben, um stets unterhalb des Radars fliegen zu können, Dinge verändern zu wollen.

2.) Über die Schule des – v.a. – Protestantismus, der für die intensive und konsequente Disputation steht und erst durch ein Rückgrat und eine Geisteshaltung gegenüber der Haltung der Katholischen Kirche im Mittelalter gedeihen konnte.

3.) Die sprachliche Geschicklichkeit, Dinge so klar zu formulieren, dass sie dennoch stets so unklar bleiben, dass die rhetorische Fluchttür niemals verschlossen ist. Den semantischen Deutungsraum als stets so zu nutzen, einen vermeintlich klaren Begriff so nutzen zu können, dass das, was man als dessen Inhalt verstanden haben sollte, dann doch anders ist.

4.) Die Kraft und die Geduld, in einem sozialistischen Staat gegen den allmächtigen Staatsapparat überlebt zu haben.

Diese Lebenserfahrungen und zugleich Tugenden, sind von höchstem ethischen Wert. Man kann diesen Menschen nur Respekt zollen, ein Regime, eine Ideologie friedlich zu Fall gebracht zu haben!

Letztlich in einer Kirche in der Innenstadt von Leipzig Rückgrat gezeigt zu haben, nicht eingeknickt zu sein. Ein Wunder der Einleitung und Umsetzung eines Regime-Sturzes.

Wer jetzt meint „Ja, ja, die da drüben, die earen es! Das wußte ich schon immer!“, der irrt. Gewaltig.

Denn: wer sich politisch ohne eine harte, zähe und schmerzende Debatte dem Diktum einer kleiner Parteileitung, die die Strippen zieht beugt und den Wählern – sinngemäß – sagt „Ja, das ist die Parteidisziplin. Ich mußte mitbestimmen, weil das so im Rat festgelegt worden ist. Sie müssen das verstehen, eigentlich habe ich einen anderen Standpunkt. Aber, sie wissen ja, wie das im realen Leben so ist…“, der hat nichts anderes verdient, als vom Wähler entmachtet zu werden.

Das Sensorium des Wählers spürt so etwas über die Jahre, wenn die politische Reisetourte seiner Werte wie ein auf Schlingerkurs durch die Weltmeere aussieht.

Von solchen Politikern, die ihre politische Leitlinie nicht praktizieren – wozu die intensive Debatte und nicht das Kuschen vor der örtlichen Parteileitung steht – darf man nichts erwarten, außer ekklatanter Fehlentscheidungen mit Langzeitwirkung.

Und so ist manches politische Strahlen wie die Strahlung von Tihange im Falle eines Gau, dessen fatal-lethale Folgen man erst nach Jahren oder Dekaden erkennen und spüren wird.

Wer in der Politik mit den getroffenen Entscheidungen seiner Parteileitung unzufrieden ist, der sollte sich überlegen, wo er / sie steht, ob er / sie tatsächlich das getan hat, was möglich war und allerletztlich, an welchem Entscheidungsstand man sich zum Austritt seiner Partei entscheidet.

Denn ansonsten richtet man eine schwerverdauliche politische Bohnensuppe an, die Winde produziert, die einen zum Verduften zwingen.

Und, die politische Umtriebe in Gang setzen, die unkalkulierbar, riskant sind. In der Politik – wenn man tatsächlicher Politiker ist und sich für seine Seite, damit Wähler einsetzt – heißt das, sich durchaus in Debatten bis an die Grenzen rhetorisch zu belasten, danach schlaflos durch den nächsten Tag zu irren, sich zu ärgern, eine roten Kopf zu bekommen, die Faust in der Tasche zu ballen, um dann aber, wenn der politische Adrenalin-Kick abgebaut ist,

sich vor den Spiegel zu stellen und zu sagen:

„Ich habe meinen Standpunkten entsprechend das argumentiert, für das ich stehe. Ich habe dafür gekämpft und konnte meine Standpunkte zu einem Teil verankern. Ich bin zufrieden mit mir. Ich darf mich über mich heute freuen!“

Ohne solch einen Einsatz jeder Mandatsträgerin und jedes Mandatsträgers ist klar: man kommt in den Strudel eines „Kräftekreises“, der einen verschlingt…

 

 

 

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