„Abschied von Merkels Willkommenskultur – Deutschland zwischen Wunsch und Wirklichkeit“ von Hans-Hermann TIEDJE

„Es wird ein schwarzer Sonntag werden für Merkel und ihre Partei, die CDU“

Hans-Hermann TIEDJE, früherer Chefredakteur der „BILD“ und einstiger persönlicher Berater von Bundeskanzler Helmut KOHL sieht Rabenschwarz in Sachen der Konsequenzen der Willkommenskultur von Kanzlerin Angela MERKEL.

„Ernüchterung und Erschütterung!“ könnte man seine Ausführungen von ihrem Ergebnis her subsummieren.

Ein Artikel mit Tiefenwirkung:

http://www.nzz.ch/meinung/debatte/abschied-von-merkels-willkommenskultur-1.18709402

Ein Zitat:

„Die Rede ist hier von jenen Bürgern, denen unter Hinweis auf die Kassenlage des Bundes jahrelang soziale Verbesserungen verwehrt wurden und die jetzt zusehen müssen, wie für echte (politisch verfolgte) oder falsche (Wirtschafts-)Flüchtlinge Milliarden Euro lockergemacht werden.“

Finanzanmerkung:

In Berlin ist die Bundesregierung in Bezug auf Fiskal- und Wohnungsbaupolitik seit Langem auf die Verwendung von statistischen „Nebelgranaten“ eingeschworen. Es wurden jüngst 1,2 Milliarden Euro vom Bundesbauministerium für die Länder angekündigt. Welch eine generöse Geste. Mehr nicht!

Der Umgang mit nüchternen Zahlen wird in Berlin bewußt nicht gepflegt, da diese ohne irgend eine Bewertung oder Wertung finanzpolitische Rahmenbedingungen für die Kommunen und die Länder sonst noch klarer werden würde, dass sie am Abgrund stehen. Und, die Gemeinden, die meinen, ihre Haushaltslöcher mit Gewerbesteuer- oder Grundsteuererhöhungen oder anderen Abgaben lückenhaft stopfen zu können, werden für den Fall der Umsetzung dann noch schmerzlichere Erfahrungen machen müssen.

Denn, wenn andauernd Gewerbesteuern erhöht werden, vergraulen die Kommunen die Unternehmen. In Städten wie Aachen, wo die wirtschaftsfreundlichen Niederlande praktisch im Vorgarten liegen, werden für Unternehmen Bedingungen geboten, nach denen man sich hier die Finger lecken würde. Sowohl steuerlich wie auch adminsitrativ in Bezug auf den Papierkram.

Geht man von folgender Rechnung aus, die nüchtern immobilienwirtschaftlich sehr sparsam gerechnet wird, dann wird bereits an der Frage des Wohnungswesen die tektonische Bruchlinie sofort offensichtlich. Und zwar in einer Dimension, von der sich die Kämmereien bis dato sicher noch keine Idee verschafft haben und die auf Grund der massiv ansteigenen Wohnungsnot unausweichlich zu „Diskussionen“ führen werden.

Ein Quadratmeter Wohnfläche zu erstellen kostet mit KfW-Mitteln rund € 1.650,– pro Quadratmeter. Rechnet man einen persönlichen Wohnbedarf von 15m² pro Kopf, ergibt sich ein Kapitalaufwand rein für die Errichtung der Wohnfläche von:

€ 1.650,–/ m² * 15 m² = € 24.750

kalkulatorisch gerundet also € 25.000,– pro Mensch für die reine Errichtung des Wohnraumes.

Dem entsprechend sind für 1.000 Menschen somit fünfundzwanzig Millionen  an Kapital zu mobilisieren. 

Nimmt man kalkulatorisch eine Verzinsung des Kapitals von 5 % p.a. an, heißt das, jährlich reine Mietleistungen in der Größenordnung von 1,25 Millionen Euro als Kapitaldienst für die Investitionen ausgegen zu müssen.

Weiter in der städtebaulichen Perspektive. Man will berechtigt und im Sinne von Integration, also der Gesellschaft und des gedeihlichen Miteinanders unverzichtbar, Silo-Siedlungen à la Berlin-Marzahn oder Berlin-Hellersdorf vermeiden.

Das führt dazu, dass man Bauflächen für Wohnungsbauten mobilisieren und im Eilverfahren freigeben muß.

Hier die nächste Rechnung für die Stadt. Nimmt man an, dass man Häuser errichtet, die maximal zehn Wohneinheiten besitzen und, dass in einer Wohnung vier Menschen leben, also 60m², so können dann auf der netto-Baufläche von 60m² ohne Nebenflächen wie Treppenhaus etc. 600m² Wohnfläche  „hochgezogen“ werden.

Rechnet man weiter mit zusätzlichen 60m² für „Vorgarten und Hinterhof“, bedeutet das, zehn Wohnungen mit insgesamt 40 Menschen auf einem Grund und Boden von 120m² wohnlich unterzubringen.

Weiter: nimmt man die auf 1.000 Menschen normierte Kennzahl an und beachtet, dass 4 Menschen pro Wohnung à 60m² untergebracht werden, ergibt sich eine kalkulatorische Anzahl  von 250 erforderlichen Wohnungen, respektive in der obigen Hausberechnung, folgend 25 zu errichtenden Häusern mit einer Gesamt Grundfläche von 25 Häuser * 120m² / Haus = 3.000 m².

Nimmt man weiter einen Quadratmeterpreis von € 200,– pro Quadratmeter Boden an, so ergibt sich für den Erwerb des Grundstücksbedarfs ein Betrag von € 600.000,–

Der Nachfrageschub wird übrigens auf einem bereits engen Markt die Flächenpreise weiter erhöhen, so dass an einem Punkt die Frage zu beantworten ist, wie sich eine normale Familie dann überhaupt noch ihr Häuschen leisten können wird…

Hinzu kommen zu dem groben Rechenschema noch die Posten für Infrastruktur in Form von Straßen, Bürgersteigen, Kanalisation, Elektrik udgl. Mit Fläche, Kapital und dergleichen…

Und weiter die Frage, wie man es zu vermeiden anstrebt, eine isolatorische „Plattenbau-Lebensrealität“ zu vermeiden, die bekanntermassen zur Isolation im „Soziotop Platte“ führt.

Der kontraproduktiven Weg, den manche Kommunen bereits gingen, Bewohnern in öffentlich im Zugriff befindlichen Wohnbesitz zu kündigen, um sie durch Flüchtlinge zu besetzen, ist geradezu sozialer Sprengstoff, der zu einer weiteren Polarisierung beiträgt und nicht im Sinne der Gesellsachaftsformation führt.

Auch muss beachtet werden, dass Kindertagesstätten/Kindergärten, Spielplätze und Schulen kapazitativ entsprechend angepasst werden müssen, um die Kindes- und Jugendlichenentwicklung für alle jungen Menschen so zu gestalten, dass NICHT große Klassen, die immer zum Abhängen – damit dem sozialen Verlust – eines Teils von Schülern führen, zur Schulrealität werden. Ach ja, qualifiziertes und auch interessiertes Personal kann man nicht im Reagenzgas züchten…

Geht man für die Stadt Aachen davon aus, dass 5.000 Menschen in Aachen sesshaft werden, so läßt bereits das zwingend erforderliche Budget der Stadt Aachen erkennen, dass die zwingend erforderliche Mobilisierung von Kapital in toto ohne weiteres in den Bereich von € 200.000.000 bis € 300.000.000 geht. [sic!]

Um die Zahl zu verdeutlichen: Beträge in einer Größenordnung von € 100 Millionen.

Hier nochmal vereinfacht nachgerechnet:

5.000 Menschen * 20 m² / Mensch = 100.000 m² Wohnfläche

100.000 m² * € 1.500 / m² = EINHUNDERTUNDFÜNFZIG MILLIONEN EURO nur für Aachen – Daumenrechnung!

Und dann redet Berlin großzügig von 1,2 oder 2 Milliarden Euro, die man von Berlin aus vom Himmel regnen läßt. Pinocchio berliniensis läßt grüßen…

Die Betrachtung ohne alle weiteren anfallenden Kosten.

Und, ausdrücklich, dass keinerlei „falscher Zungenschlag“ aufkommt: Es ist eine rein immobilienwirtschaftliche, erste Rahmenkalkulation.

Klar ist eines: die Stadt Aachen wird vor einer im Grunde nicht bewältigbaren finanziellen Aufgabe stehen. Auch das Schuldenmachen, um Kosten in die Zukunft zu verschieben, läßt sich gar nicht abbilden.

Man muß eines sagen, bedenkt man, was dieser Zahlenraum auf die Bundesrepublik Deutschland bedeutet, so ist das eine „steuerlicher Asteroideneinschlag“ für das Land in sämtlichen Sachbezügen.

Berlin macht sich elegant einen schlanken Fuß und in den Kommunen hat man den Schuß einfach nicht gehört. Auch die Sozialsysteme werden den Druck spüren. Aus dem Kreise der Krankenversicherungen sickert durch, dass die Beträge erheblich sein werden, es ist die Rede von € 50,00 und mehr pro Monat und Person. Berlin muss also die Sozialsysteme entsprechend alimentieren!

Was hilft es, wenn der Musterschüler Deutschland in Berlin einen ausgegelichenen Haushalt mit Schuldensperre vorweisen kann, um die Finanzmärkte gnädig zu stimmen, aber die Kommunen förmlich finanziell zu Grunde gehen.

Schaut man sich an, wie Aachen jetzt schon verlottert – die Aachener Zeitung berichtete in extensio über die Missstände – dann wird die Verwaltung und die Politik in Bezug auf die Bürgerschaft einen massiven Erklärungszwang haben. Einen, der ob der Dimension – egal, ob die Rahmenzahlen ein Viertel oder das Zweifache sind – Handlungsspielraum wird die Kommune nicht haben können.

Und, da im Bereich so mancher Energieinvestitionen auch noch nicht die letzte Messe gelesen ist, wird deutlich, dass die Stadt Aachen wie auch alle anderen Kommunen jetzt schon im Notfallmodus agieren müssen.

In der Haut des Oberbürgermeisters und der Kämmerin möchte wohl bald niemand mehr stecken. Gut, dass man keine Aktien hält, die von einem Energieversorger kommen..

 

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